SOFIE: News from Austria!

Die Unterstützung von Migrantinnen in ihrem neuen Lebensumfeld ist das zentrale Anliegen des Projekts SOFIE, das sich derzeit in Österreich, Italien, Zypern, Schweden und in der Türkei in der Pilotphase befindet.

Als österreichischer Projektpartner hat der Verein Multikulturell in Innsbruck von April bis Juni 2019 zwei Kurse mit jeweils ca. 15 Teilnehmerinnen (und insgesamt 10 Kindern) veranstaltet. Im Mittelpunkt standen der Erwerb von Deutschkenntnissen und die Unterstützung der Orientierung im österreichischen Alltagsleben.

Niederschwelliges Angebot für Frauen

Unter den Teilnehmerinnen der SOFIE-Kurse waren viele Mütter, die es besonders schätzten, dass ihre Kinder während der Kurszeiten betreut wurden. Für manche wurde es dadurch erst möglich, am Kurs teilzunehmen, denn die Organisation des Alltags in einem (noch) fremden Land ohne entsprechende Sprachkenntnisse erleben viele Migrantinnen als sehr aufwendig. Mitunter bindet sie so viel Energie, dass an den Besuch eines Deutschkurses nicht zu denken ist. Daher soll SOFIE ein wirklich niederschwelliges Angebot sein. Dazu gehört auch der geringe Kursbeitrag, der durch die EU-Förderung im Rahmen von Erasmus+ ermöglicht wird.

Ganzheitlicher Ansatz

Wenn Frauen unterschiedlicher Herkunft in einem Kurs gemeinsam Deutsch lernen, zeigen sich neben einigen Gemeinsamkeiten auch Unterschiede. Verschiedene Weltbilder, Lebensformen und Selbstkonzepte werden zum Thema und sorgen manchmal auch für Verwirrung oder Irritation. Auch dafür ist in dieser „erweiterten“ Form des Deutschkurses Raum: „Es geht hier um mehr als das Lernen von Vokabeln und Grammatik“, erklärt  Ovagem Agaidyan, der Vorsitzende des Vereins Multikulturell, der nach Abschluss der ersten beiden Kurse sehr zufrieden mit dem Pilotprojekt ist: „In einem neuen Land ankommen, das bedeutet auch Auseinandersetzung: mit sich selbst und den eigenen Rollenbildern, mit anderen MigrantInnen und mit der Gesellschaft, die am neuen Lebensort in der Mehrheit ist.“ Ein Deutschkurs, der Raum für diese Auseinandersetzung gibt, kann daher viel bewirken – unter anderem signalisiert er, dass Zugewanderte nicht nur funktionieren und sich anpassen sollen, sondern auch in ihrer Ganzheit als Menschen wahrgenommen werden.

Frauen ermächtigen

Zwischen dem Lernen einer Sprache und der Anwendung des Gelernten in der Praxis liegt oft ein weiter Weg, der mit Ängsten und Hemmungen verbunden ist. Ein wesentliches Ziel der SOFIE-Kurse war es daher, die Frauen auch zur Anwendung zu ermutigen. Frauen sollen zum Beispiel selbst zum Elternabend gehen und Informationen aus erster Hand bekommen können. „Ermächtigung ist ein Ziel in jedem Deutschkurs“, sagt Ovagem Agaidyan.  „Im Projekt SOFIE, das sich speziell an Frauen und Mütter richtet, hat dieser Aspekt vielleicht eine noch größere Bedeutung.“

Kinder auf Besuch im Kurs

Laut Konzept sollten die Kinder auch stundenweise in den Kurs einbezogen werden. In der Praxis hat sich gezeigt, dass dies nur in begrenztem Ausmaß sinnvoll war. So wurden die Kinder den Großteil der Zeit nebenan professionell betreut, während die Mütter sich ganz auf den Kurs konzentrieren konnten und einmal nicht parallel die Mutterrolle wahrnehmen mussten. Einen sehr positiven Effekt hatten die punktuellen Besuche der Kinder in der Kursgruppe aber sehr wohl: Da Kindern das Erlernen einer neuen Sprache im Allgemeinen leichter fällt als Erwachsenen, kommen sie häufig in die Situation, für ihre Eltern zu übersetzen oder für sie zu sprechen. Im SOFIE-Kurs konnten sie erleben, dass hier eine Lehrerin ist, die ihre Mutter unterstützt – ein durchaus entlastendes Aha-Erlebnis.

Die beiden SOFIE-Kurse im Rahmen des Pilotprojekts wurden im Juni 2019 abgeschlossen. „Wie erachten eine Fortführung als sehr sinnvoll“, resümiert Ovagem Agaidyan. Der Verein Multikulturell wird sich dafür einsetzen.